Stipendien-Ausschreibung Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (BML)

Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (BML) vergibt drei Stipendien zu je EUR 1.000,- für die folgenden Master-Thesis-Themen:

  • Thema 1: "Reduktion Flächenverbrauch und Schutz wertvoller Böden"
  • Thema 2: "Stärkung der regionalen Wirtschaft und Innovationsfähigkeit"
  • Thema 3: "Sicherung der regionalen Daseinsvorsorge"

Details zu den Themen sind am Ende dieser Seite zu finden!

Die Inhalte der Masterarbeiten müssen einen Bezug zur grundsätzlichen strategischen Ausrichtung des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft in der Regionalpolitik haben: Sein strategisches Ziel ist es, zu attraktiven Lebensbedingungen und vor allem zu Chancengleichheit in allen Regionen Österreichs beizutragen. Damit soll erreicht werden, dass sie vielfältig und lebenswert bleiben und sich erfolgreich weiterentwickeln können. Regionale Entwicklung wird als Prozess gesehen, der integrativ, kommunikativ und partizipativ gestaltet werden muss. www.bml.gv.at

Bewerbung:

  • Motivationsschreiben (max. zwei A4-Seiten) inkl. Lebenslauf
  • Neben grundsätzlichen Motiven soll hierbei ein thematischer Bezug zu einem der drei angeführten Themenbereiche des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (erwartet wird eine erste Ideenskizze mit Arbeitstitel der Masterarbeit) sowie eine persönliche bzw. berufliche Perspektive, die mit dem Ausbildungsabschluss zum "Master of Arts (MA)" verbunden ist, beinhaltet sein.
  • Bewerbungsfrist: laufend per E-Mail an info@meine-regionen.at.
  • Die Bewerbung um ein Stipendium kann nur dann erfolgen, sofern eine Anmeldung für den Masterlehrgang (Start im Wintersemester 2022) im Postgraduate Center unter kooperativregion@univie.ac.at eingegangen ist (bitte als separate E-Mail).

Die Entscheidung über die Vergabe der Stipendien wird durch die wissenschaftliche Leitung des Weiterbildungsprogramms sowie das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft getroffen. Die Stipendiat*innen werden bis 15. Juli 2022 informiert.

Die Auszahlung der Stipendien findet nach erfolgreicher Beendigung des Masterlehrgangs bis spätestens zum Ende des 6. Semesters statt (= Mindeststudienzeit plus zwei Toleranzsemester). Die Abgabe der Master-Thesis hat dafür bis zum 31. August 2025 zu erfolgen.


Themengebiet 1: Lebensräume nachhaltig gestalten: Flächenverbrauch reduzieren – Boden schützen 

Täglich werden in Österreich rund 11,5 Hektar (42 km² pro Jahr) Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke sowie für andere intensive Nutzungen wie Deponien, Abbauflächen und Freizeitanlagen in Anspruch genommen (Umweltbundesamt, 2021). Dies führt neben der Reduktion landwirtschaftlicher Produktionsflächen auch zum Entfall wichtiger Bodenfunktionen wie zum Beispiel der Fähigkeit, Wasser und Kohlenstoff zu speichern sowie schädliche Stoffe zu filtern. Hitzeinseln in urbanen Gebieten, häufigere Hochwasserereignisse können Konsequenzen sein, die damit in kausalem Zusammenhang stehen. Neben den ökologischen Auswirkungen führt die zunehmende Flächeninanspruchnahme zudem zu höheren Kosten in der Bereitstellung technischer und sozialer Infrastruktur und kann zur Funktionsentleerung von Orts- und Stadtkernen beitragen. Die Folgen der zunehmenden Flächeninanspruchnahme und Bodenversiegelung sind somit vielfältig (ökologische, ökonomische und soziale Dimension).
Die Eindämmung des Bodenverbrauchs eröffnet gleichzeitig die Chance, die Versorgungssicherheit mit Futter- und Nahrungsmittel zu stärken, Leerstände zu aktivieren und Baulücken zu schließen sowie Orts- und Stadtkerne mit neuem Leben zu erfüllen. Eine flächenschonende Raumentwicklung ist ein wesentlicher Grundpfeiler nachhaltiger und resilienter Regionen. 

Das am 20. Oktober 2021 beschlossene Österreichische Raumentwicklungskonzept 2030 (ÖREK 2030) bildet einen aktuellen Handlungsrahmen aller relevanter Maßnahmenträger in Österreich für das nächste Jahrzehnt. Die Reduktion der Flächeninanspruchnahme wird darin als besonders dringlich erachtet. In Umsetzung des ÖREK-2030 wird aktuell – unter Federführung des BML sowie dem Land Tirol und der Stadt Wien – im Rahmen der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) an der Erarbeitung der "Bodenstrategie für Österreich" gearbeitet. (Download zum Beschlusstext unter: Österreichische Raumordnungskonferenz - Bodenstrategie für Österreich (oerok.gv.at))

Fragen der Bodennutzung sind immer im gesellschaftlichen Kontext zu betrachten und stets zwischen unterschiedlichen Interessensansprüchen verankert, die wiederum fortlaufenden Transformationsprozessen unterworfen sind. Das BML hat großes Interesse an Erkenntnissen, die einen Beitrag zur Beantwortung ökologischer, ökonomischer oder sozialer Fragestellungen im Zusammenhang des quantitativen Bodenschutzes leisten. (z.B. Wie kann die Ressource Boden in der Planung berücksichtigt werden? Was sind die Erfolgsfaktoren einer flächensparenden Entwicklung auf kommunaler Ebene? Was bedeutet "zero net land take" für die zukünftige Raumentwicklung? Wie kann die Verräumlichung "neuer" Nutzungsinteressen im Einklang des Flächensparens gestaltet werden?).

Themengebiet 2: Lebensräume leistungsfähig gestalten - regionale Wirtschaft und Innovationsfähigkeit stärken 

Die Wirtschaftskraft von Regionen ist eine entscheidende Voraussetzung für attraktive Lebens- und Arbeitsbedingungen. Die Stärkung regionaler Innovationsnetzwerke und Wirtschaftskreisläufe macht Regionen nicht nur erfolgreicher, sondern auch krisenfester. Ziel ist es, die ökonomischen und sozialen Innovationspotenziale ländlicher Regionen zu fördern und dabei positive Wechselwirkungen zwischen urbanen und ländlichen Qualitäten zu nutzen (z.B. Co-Working am Land). Gemeinsam mit Expertinnen und Experten vor Ort sollen regionale Stärken und Potenziale identifiziert und genützt werden. Kooperation, Digitalisierung, Bildung und Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen sind wichtige Erfolgsfaktoren für eine wirtschaftlich positive Entwicklung. Der Multi-Akteurs-Ansatz bringt alle relevanten Partner aus der Region zur Lösung konkreter Herausforderungen zusammen. So können u.a. auch Forschungsergebnisse schneller in die Praxis umgesetzt werden. Technische und soziale Innovationen sind für regionale Antworten auf Herausforderungen wie Klimakrise oder globale Ereignisse besonders wichtig.

Besonderes Augenmerk soll darauf gelegt werden, Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen als Innovationsfaktor insbesondere für ländliche Regionen zu begreifen und Wege der forcierten Umsetzung zu finden (z.B. Wie könnte Sorgearbeit stärker geteilt und als wichtige sozio-ökonomische Leistung anerkannt werden? Wie könnte eine Bewertung dieser Leistungen wie z.B. Sorgearbeit in der regionalen Wertschöpfung aussehen? Wie kann im Arbeitsalltag auf die Bedürfnisse Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser Rücksicht genommen werden bis hin zu neuen Job Sharing Modellen für Führungskräfte?).

Themengebiet 3: Lebensräume attraktiv gestalten - Sicherung der regionalen Daseinsvorsorge

Die Vielfalt der Regionen Österreichs sowie Ihre Unterschiede in Bezug auf den Grad der Verstädterung, Größe sowie Strukturstärke bewirken in den Gemeinden eine unterschiedliche Versorgung mit Infrastruktur und Dienstleistungsangeboten der Daseinsvorsorge. Gemeindeübergreifende Zusammenarbeit von Nachbargemeinden sowie Stadt und Umland kann ein wichtiger Ansatz zur Sicherung der regionalen Daseinsvorsorge sein. Die interkommunale Zusammenarbeit kann die Versorgung der Menschen mit Einrichtungen und Dienstleistungen der Daseinsvorsorge effizient und flächensparend sicherstellen ohne eine Minderung der Versorgungsqualität.

Viele Regionen haben mit Leerständen im Ortskern und gleichzeitigem Flächenfraß an den Ortsrändern zu kämpfen. Eine Revitalisierung oder Neunutzung der oft leerstehenden historischen Gebäude kann der zunehmenden Bodenversiegelung entgegenwirken und eine Erweiterung der Angebote im Ortskern schaffen. Dabei soll die Orts- und Stadtkernstärkung in regionalen Kontext erfolgen und regionale Konzepte und Strukturen herangezogen werden. 

In beiden Schwerpunkten soll auf die Nutzung von Instrumenten der Digitalisierung ein besonderes Augenmerk im Sinne des Europäischen Konzeptes von Smart Villages gelegt werden. (z. B. Wie können digitale Lösungen Dienstleistungs-Angebote der Daseinsvorsorge unterstützen? Welche intelligenten Lösungen und neuen Ideen können Orts- und Stadtkerne attraktiver gestalten und stärken?)